Meine Meinung: Big Data und Instant Messaging

Meine Meinung: Big Data und Instant Messaging

Nachdem die Übernahme von WhatsApp durch Facebook in den vergangenen Tagen zumindest im deutschsprachigen Raum für Bewegung in manchen Köpfen gesorgt hat, stellt sich jetzt akut die Frage, was man mit dem Wissen anfangen soll, dass ein riesiger Konzern, der bereits das Privatleben von Milliarden Menschen durchwächst, mit all diesen zusätzlichen Daten anfangen mag. Wenn man veröffentlichten Zahlen glauben schenken mag, sind es 450 Millionen Nutzer auf Seiten WhatsApps, in Teilen zusätzlich zu den ca. 1,2 Milliarden Facebook-Nutzern (die zu einem gewissen Grad sicherlich eine Schnittmenge bilden). Selbst wer also bisher zum Beispiel seine Positionsdaten oder gesellschaftlichen Kontaktgepflogenheiten nicht preisgab, spült nun bei Verwendung des frisch übernommenen Instant Messaging-Dienstes weitere Daten in die Speicher von Facebook.

Der Eine oder Andere mag das achselzuckend hinnehmen, die Attitüde, dass Transparenz eine gute Sache ist, ist schließlich modern – und nicht grundsätzlich falsch. Sie ist so modern, dass man sich ihr kaum verwehren kann, wenn man im von ubiquitärer IT geprägten Alltag kommuniziert oder schlicht Probleme löst. Schließlich gibt es nicht nur Facebook, das lediglich unsere gesellschaftlichen Gewohnheiten präsentiert bekommt. Sondern auch Suchmaschinenbetreiber wie Google, Versandmagnate wie Amazon, Musikstreamingdienste wie Spotify oder last.fm und ganz allgemein gefasst Internet Service Provider, die in ihrer Gesamtheit gefasst jeden Winkel modernen Lebens ausleuchten wollen oder können. Wie vieles im Leben ist das natürlich ein zweischneidiges Schwert. All diese Dienste helfen uns, unser Leben effizienter zu gestalten und es schlichtweg einfacher zu machen. Die Annahme, dass alle vorhergehenden Fraktionen dies aus reiner Nächstenliebe bewerkstelligen, ist dabei allerdings äußerst naiv.

Das Betreiben von Internetdiensten kostet zunächst einmal vor allem eines: Geld. Personalkosten, Stromkosten für Server, Transportkosten für Daten, Speicherkosten für Daten, Kosten für Werbung, etc. Insofern diese Kosten nicht von Freiwilligen (wie z.B. bei der Wikipedia) getragen werden, müssen sie anderweitig erbracht werden. Das Geschäft mit den Daten der Nutzer scheint dabei ein lukratives Umfeld zu bieten. Alleine Facebook erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013 sage und schreibe 523 Millionen US Dollar Gewinn – wenig im Vergleich zu Google mit 12,92 Milliarden US Dollar Gewinn, aber mit einem deutlich höhren Wachstum in Bezug zum Vorjahr. Auf kurze Sicht geht es um das Geschäft mit zielgerichteter Werbung, auf lange Sicht hin spielen auch sicherlich Big Data und Data Mining eine nicht zu verachtende Rolle.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass es mir nicht darum geht, all diese Firmen schlecht zu reden. Es geht mir primär darum, Fakten in das Bewusstsein zu rücken, die gerne verdrängt oder als nichtig abgetan werden. Wir haben momentan noch die Möglichkeit an vielen Stellen in unserem Leben zu entscheiden, welche Daten wir wem preisgeben. Das bedeutet auch, dass wir uns dazu entscheiden können, unsere Daten nach dem Motto „teile und herrsche“ möglichst verteilt zu hinterlassen, um eine „globale“ Auswertung zu erschweren.

Für alle diejenigen, die sich jetzt nach einer Alternative zu WhatsApp umsehen, empfehle ich unter anderem diese beiden Artikel auf heise.de und golem.de.

Wie hat schon Ben Franklin gesagt?

Distrust and caution are the parents of security.

Benjamin Franklin

COMMENTS (1)
Antworten

Es ist halt wie immer im Leben, es muss nicht immer sinnvoll sein auf jeden digitalen Zug gleich aufzuspringen, wenn man sich den Risiken nicht bewusst ist.
Wenn man mit Whats App Nachrichten mit wichtigem Inhalt versendet hat, hat man nicht nachgedacht und da spielt es nun wahrlich keine Rolle mehr ob Facebook oder nicht.

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